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Die Barca-Gilde 
Mitglieder: 
Betiser, die ihren Lebensunterhalt mit der Beförderung von Personen oder Waren innerhalb der Stadt verdienen, Fährleute, freie Hafenarbeiter

Sitz:
In der Neuen Stadt am Hafen-Kanal

Gildenvorstand:
Meister Marcello Rosso

Aufnahmebedingung: 
Schuldenfreier Besitz mindestens eines tauglichen Schiffes oder Bootes, mehrere Jahre Erfahrung, und natürlich den Binnenschiffahrtsschein mit Beförderungsgenehmigung...

(Gildenzeichen)


 

"geheime" Barca
Das Hauptverkehrsmittel auf den Kanälen ist die berühmte "Barca", ein bis zu vierzehn Ellen langes Ruderboot, das mit Hilfe langer Riemen, die in einer kunstvoll verzierten Gabel liegen, fortbewegt wird. Der Ruderer, der ebenfalls Barca genannt wird, steht dabei auf dem Heck des Bootes. Sein Gewicht und die seitliche Lagerung des Riemens machen das Steuern der Barca durch die engen Kanäle oder gegen die Strömung zu einer besonderen Kunst, die lange Jahre erlernt werden muss.  
  Eine Sonderform dieses Typs ist die "geheime" Barca: der geschlossene Aufbau in der Mitte schützt die Fahrgäste vor unerwünschten Blicken und wird deshalb von den meisten Patriziern und Diplomaten bevorzugt.

Die Mitglieder der Barca-Gilde bieten ihre Dienste jedermann an. Abgerechnet wird nach Strecken, wobei es keinen Unterschied macht, ob sich ein oder fünf Personen in der Barca befinden, sehr wohl aber, ob es mit oder gegen die Strömung geht. Gewöhnlich nennt man Ziel und Preis und wird schnell handelseinig.

Die Ruderer der Hochgestellten sind übrigens selten Mitglieder der Gilde, da es sich hierbei meist um besondere Leibwächter handelt.

 
  Die Barca kann auch mit mehreren Ruderern besetzt sein, was ihr mehr Stabilität und manchmal eine nahezu unglaubliche Geschwindigkeit verleiht. Besonders an Tagen mit Hochwasser oder starker Strömung sind die Barcas mit zwei oder mehr Ruderern besetzt. 
 
 

Sandolo
Ein anderer Bootstyp ist der "Sandolo" mit seinem geschwungenen Bug. Er ist kürzer und breiter als die Barca und wird eher zum Transport von Waren eingesetzt. Der Fischer bringt damit seinen Fang in den Hafen, der Bauer sein Gemüse zum Markt und die Händler beliefern damit die Gasthäuser. Auch die Sandolos können je nach Gewicht der Waren mit mehreren Ruderern besetzt sein.   
  Barcas, Sandolos und alle anderen Boote dürfen selbstverständlich privat genutzt werden, die Beförderung gegen Bezahlung ist jedoch ausschließlich den Gildenmitgliedern vorbehalten. 
 
 

Caorlina
Ein weiterer Bootstyp ist die "Caorlina", das schnittigste Modell der Betiser Werftkunst: Mit bis zu 20 Ellen Länge ist sie für die meisten Kanäle ungeeignet und wird deshalb für längere Strecken eingesetzt. Sie ist immer mit mindestens zwei Ruderern besetzt und bietet Platz für bis zu acht Personen.  
  Die Caorlina ist ideal für Kurierfahrten, Ziele außerhalb der Stadt oder als Begleitboot. Die Patrizier benutzen sie, um schnell zu ihren Sommervillen am Brazachufer zu gelangen, außerdem wird sie als ständige Fährlinie zwischen Helosplatz und Theater eingesetzt. Übrigens: einen echten Betiser erkennt man daran, dass er den Brazach stehend überquert!
Auf dieser Fährlinie müssen die Lehrlinge der Gilde übrigens ein Jahr lang unentgeltlich Dienst leisten, bevor sie die Gesellenprüfung ablegen dürfen. Beaufsichtigt von einem erfahrenen Barca lernen sie dort Wetter- und Strömungsverhältnisse kennen. 
 
  Die schnellen Caorlinas sind auch eine besondere Leidenschaft der Betiser, und viele Rennen an bestimmten Feiertagen bieten zahlreiche Wettgelegenheiten. An diesen Rennen kann jeder teilnehmen, es gibt aber auch ausgewählte Mannschaften, die hart für den Sieg trainieren. So können Besucher in den ruhigeren Abendstunden hin und wieder beobachten, wie verbissen geruderte Caorlinas vom Ufer aus mit Zurufen und gehässigen Kommentaren angefeuert werden.
 
 

Lastkahn 
Daneben gibt es noch viele kleine und große Kähne, die schwerere Lasten transportieren können. Wenn ein Schiff nicht direkt an den Lagerhäusern anlegen kann, sondern die Fracht in die Kontore innerhalb der Stadt gebracht werden muss, setzt man dazu Lastkähne ein. Händler, die keine eigenen oder zu wenige Arbeiter haben, können die freien Hafenarbeiter der Barca-Gilde anmieten, die helfen, die Waren zu laden, zu löschen oder zu transportieren.  
  Die Gilde der Barcas ist der Patrizier-Familie Estéban sehr verbunden. Vor einigen Generationen setzte Vittorio Estéban nach langen Kämpfen im Rat durch, dass den kleinen Fischern, die als Nebenerwerb mit ihren Booten Fahrgäste beförderten, die Erlaubnis erteilt wurde, eine eigene Gilde zu gründen. Dies verschaffte der Familie darauf soviel Anerkennung in der armen Bevölkerung, dass sie bei den folgenden Wahlen ins Dogenamt gewählt wurde. Ebenso fühlen sich die Estéban bis heute für das Wohlergehen der Gilde verantwortlich.